Liebe Freunde

Heute schreiben wir für einmal nicht über Fliegen und Flugzeuge. Wir möchten euch einen Einblick geben in einen anderen Bereich unseres Lebens in Mareeba und Cairns.

Schon früher haben wir euch berichtet, dass wir in die freiwillige Arbeit bei den Cairns Street Chaplains involviert sind. Dies ist eine christliche Organisation, welche zum Ziel hat, Nächstenliebe ganz praktisch zu praktizieren und für Leute da zu sein welche Hilfe brauchen in den Ausgangsnächten von Fr auf Sa und von Sa auf So. Gerne möchten wir euch auf eine Nacht „mitnehmen“:

Es ist kurz nach zehn Uhr, wir erreichen mit dem Street Chaplain Van (ein ehemaliger Krankenwagen) das Stadtzentrum von Cairns. Nach kurzer Absprache mit unserer Teamleitung übernimmt jeder einen Teil des Aufstellen, David schliesst Elektrizität und Wasser an, Sibylle baut Tische und Stühle auf und die Teamleiterin füllt den Wassertank sodass wir später Wasser verteilen können. Schon bald haben wir um den ehemaligen Krankenwagen herum eine kleine Station eingerichtet die uns hilft, Leute die auf Drogen sind oder zu viel Alkohol getrunken haben, stationär zu betreuen. Jeder packt sich einige Handschuhe in der richtigen Grösse ein, Sibylle checkt mit der Teamleiterin die Erste-Hilfe Taschen während sich David um das verkabeln der Funkgeräte kümmert. Noch während dessen kommt ein junger Mann vorbei, wir erkennen ihn, eine Woche zuvor haben wir ihn ins Spital eingewiesen. Er und seine Kollegen möchten sich dafür bedanken. Wir haben ein kurzes Gespräch und wünschen ihnen eine bessere Nacht als die letzte. Dann stehen wir drei zusammen und beten für die Nacht und sind dann bereit unsere Schicht zu beginnen. Allerdings fehlt noch ein Mitarbeiter, da er kurzfristig ausgefallen ist, muss ein Ersatz organisiert werden. Bis dieser kommt machen David und Angela (die Teamleiterin) eine kurze Runde durch die wichtigsten Strassen des Stadtzentrums, Sibylle bleibt beim Van zurück und verteilt Wasser an müde Ausgänger.

Es ist eine feucht, heisse Nacht, das Thermometer zeigt immer noch 28 Grad an und der Tag war noch viel wärmer. Kein Wunder, dass schon nach 45 Minuten über 60 Becher Wasser verteilt wurden. Viele Leute bleiben stehen und es entstehen Gespräche. Die Securitas, welche in der Stadt patrouillieren, kommen vorbei und man tauscht sich darüber aus was in der Stadt los ist und wo Probleme erwartet werden. Es hat ausnahmsweise mehr lokale Leute auf der Strasse als internationale Backpacker, was vor allem damit zu tun hat, dass überall Firmenweihnachtsfeste gefeiert werden.

David und Angela kommen zurück von der ersten Runde, alles scheint ruhig. Auch der Ersatz für den ausgefallenen Mitarbeiter ist inzwischen eingetroffen. Wir sprechen uns kurz ab und entscheiden, dass Sibylle und David weiter zu Fuss durch das Ausgangsquartier gehen und dann den zweiten Teil der Nacht für die Station beim Van zuständig sind. So gehen wir los, es ist eine eher ruhige Nacht, wir behandeln aufgeschlagene Beine und aufgeschnittene Hände, verteilen Übelkeitstüten und organisieren sichere Transporte nach Hause für Leute welche etwas zu sehr gefeiert haben. Wir reden mit den Türstehern und fragen wie es läuft und wie es ihnen geht. Ab und zu werden wir auch über Funk von ihnen angefunkt, wenn vor ihrem Club Leute sind, welche Hilfe brauchen.  Nach unserer Pause um 1 Uhr werden wir von Angela angerufen ob wir sie unterstützen könnten. Es ist einiges los bei der Station und wir werden von Angela gebeten eine verwirrte, aufgebrachte junge Frau zu ihrer Unterkunft zurück zu bringen. Diese Aufgabe stellt sich jedoch als schwieriger heraus als erwartet, in das Hostel kommt man nur mit einem bestimmten Tür-Code rein, die junge Frau kann sich aber nicht an den Code erinnern. Und da sie weder ein Handy bei sich hat um ihre Begleitung anzurufen noch ein Portemonnaie mit einem Ausweis macht das Ganze nicht einfacher. Mithilfe von anderen Backpacker können wir dann nach einer halben Stunde den Besitzer des Hostels wecken und er kümmert sich darum, dass die Frau schlussendlich in das richtige Zimmer kommt. Auf dem Weg zurück zur Station fragen wir uns ob die Frau unter Drogen stand.

Für den Rest der Nacht sind wir beim Van, wir verteilen nochmals sehr viel Wasser, tauschen mit Backpacker aus wo sie schon waren und wohin sie noch gehen, fragen lokale wie ihre Nacht so läuft und dürfen immer wieder hören, dass die Cairns Street Chaplains einen Unterschied im Ausgehrviertel von Cairns machen. Ein Mädchen nimmt einen Becher Wasser mit dem Kommentar: “That’s heaven in a cup“. Noch ein letztes Mal bringen Angela ihr Partner eine Frau die nicht mehr wirklich laufen kann mit dem Rollstuhl zum Van, sodass sie sich ein wenig ausruhen kann und wir klären können, wie sie am besten nach Hause kommt oder ob sie mit der Ambulanz ins Spital muss. Nachdem auch diese Situation gelöst ist und der Himmel um 05:00 schon langsam wieder heller wird, machen wir uns daran aufzuräumen. Die Nacht war im Grossen und Ganzen ziemlich ruhig, wofür wir dankbar sind. Wir freuen uns, dass wir nun bald zu Hause sind und einige Stunden schlafen können.