Was ist dein Homeland? Wer ist deine Schwester und wer dein Bruder? Wie heissen deine Eltern? Nachdem ich alle diese Fragen beantwortet habe sieht mich der kleine Yolngu Junge ziemlich ratlos mit seinen grossen Augen an. All diese europäischen Namen sagen ihm gar nichts und auch nach meinen Antworten kann er mich nirgends richtig zuordnen.

Diese Begegnung zeigt ein wenig auf, wie wichtig das Familiensystem in Arnhem Land ist. Welcher Familie man angehört hat einen grossen Einfluss auf das Leben der Yolngu Aborigines. Und für uns «Balanda» (weisse Leute in Sprache der Yolngu) ist das System oft kompliziert und sehr verwirrend. Die Familienbeziehung bestimmt mit wem man sprechen darf und mit wem nicht, wen man heiratet und welcher Onkel die Hauptaufgabe in der Erziehung übernimmt. Da weisse Leute nur schwer einzuordnen sind ohne einer Yolngu Familie anzugehören, werden immer wieder MAF Mitarbeiter von den Yolngu adoptiert. Dies muss nicht unbedingt von einer älteren Person ausgehen. Man kann auch von einer gleichaltrigen Person als Bruder oder Schwester adoptiert werden oder von einer jüngeren als Onkel oder Tante.

Dies ist nur einer der vielen Unterschiede zwischen unserer Kultur und der Kultur der Yolngu. Diese neue Kultur kennen zu lernen, ist sehr spannend für uns. Oft bringt es aber auch Herausforderungen mit sich, da manches für uns nur sehr schwierig nachvollziehbar ist. Wir sind sehr dankbar, dass uns langjährige MAF Mitarbeiter eine Menge an Wissen über die Kultur weitergeben. Auch der Einführungskurs in die Kultur hat uns sehr geholfen einen Einblick zu gewinnen.

Wir erwarten, dass wir in der kommenden Zeit weiterhin viel Neues dazulernen können. Wir wissen, es wird Tage geben an denen es herausfordernd sein wird, es wird Missverständnisse geben aber es wird auch spannende Momente geben, Aha-Erlebnisse und hoffentlich auch immer mehr Erfolgserlebnisse mit der uns momentan noch fremden Sprache der Yolngu.

Die Fotos zu diesem Blogeintrag sind von Fotograf Balz Kubli (www.balzkubli.com)