Nachfolgend ein kleiner Einblick in Davids Alltag als Pilot und die Herausforderungen die ein Leben im australischen Outback unter den Ureinwohnern mit sich bringen kann.

Momentan befinden wir uns mitten in der Regenzeit. Das heisst, es regnet fast jeden Tag. Manchmal den ganzen Tag, manchmal nur am Morgen oder Nachmittag. Die Abkühlung ist sehr willkommen. Die Wochen vor der Regenzeit waren zum Teil unerträglich heiss. Das Fliegen kann wegen dem vielen Regen manchmal zu einer Geduldsprobe und einem Glückspiel zugleich werden. Man verbringt viel Zeit mit Studieren des Wetter Radars und telefoniert mit Piloten an anderen Orten um zu erfahren wie das Wetter dort ist. Wenn dann noch das ganze Telefonnetz und dass Internet ausfällt kann es schnell etwas chaotisch werden.

So geschehen vor einigen Tagen. Das Internet, die Mobiltelefone und die Festnetzanschlüsse waren alle für fast 24 Stunden nicht nutzbar. Das kann leider vorkommen an einem so abgelegenen Ort wie Elcho Island. Das Problem ist vor allem, dass es nur eine Antenne/Satellitenstation gibt. Fällt die aus, ist fertig kommuniziert auf der Insel. Die Techniker müssen dann zuerst mit dem Helikopter eine Stunde lang eingeflogen werden, bevor überhaupt etwas repariert wird. Und dann kommt natürlich wieder das Wetter hinzu;-) Für die Piloten bedeutete das nicht nur, dass die Kommunikation schwierig wurde, sondern auch das Wetter schwer einschätzbar wurde, da keine Prognosen und Radare mehr abrufbar waren.

Zum Glück ist in jedem MAF Flugzeug ein Satelliten-Tracking System eingebaut mit dem man auch zusammen mit einem Ipad Nachrichten versenden kann. Am Morgen jenes Tages nutze David das System um bei der Dispatch Basis am Gove Airport nachzufragen ob es ein Flug für ihn geplant ist. Er bekam den Auftrag, von Elcho Island nach Milingimbi Island zu fliegen wo er eine verstorbene Frau abholen sollte, welche für die Beerdigung nach Nhulunbuy geflogen werden musste (Strassen und Brücken gibt es keine). Da es wettertechnisch vom Boden aus machbar aussah, startete er seinen Flug. Flüge von Verstorben sind etwas anders als „normale“ Flüge. In der Aboriginal Kultur werden Tote in der Regel von einer grösseren Menge Angehörigen mit viel kulturellem Gesang und Tanz zum Flugzeug begleitet. Am Ankunftsort wartet dann wieder eine grössere Menge Angehörige welche die Leiche wieder abholt. Dabei wird viel geweint und viel gesungen. So dauerte es eine gewisse Zeit, bis die Verstorbene dann wirklich im Flugzeug war. Vor dem Abflug fragten die Angehörigen, ob es möglich wäre über Elcho Island einen Kreis zu fliegen als Gruss und Abschied an die dortigen Familienmitglieder der Frau. Das Wetter hatte sich inzwischen markant verschlechtert. David erklärte den Angehörigen, dass es wahrscheinlich wegen dem Wetter schwierig wird ihrem Wunsch nachzukommen und der Weg über Elcho Island einen grösseren Umweg wäre.

Er startete kurz bevor die nächste Regenschauerfront Milingimbi erreichte. Merkte aber bald, dass das Wetter schlechter ist als angenommen. Er diskutierte über Funk kurz die Situation mit zwei anderen MAF Piloten welche auch in der Region unterwegs waren. Beide gaben ihm an, dass das Wetter in der Region von Elcho Island besser ist. Bei MAF wird Safety grossgeschrieben. Es müssen immer zwei Landemöglichkeiten in Reichweite sein, besonders bei schlechtem Wetter. Er flog darum in Richtung Elcho Island mit der Absicht von dort aus in Richtung Gove Airport weiterzufliegen. Als er in die Region von Elcho Island kam, musste er aber feststellen, dass die Sicht etwa 5km und die Wolkenuntergrenze nur noch knapp 150m über Boden, das legale Minimum, ist.  Er entschied sich darum in Elcho Island zwischenzulanden um auf besseres Wetter zu warten. Er war nun sozusagen ungeplant dem Wunsch der Angehörigen nachgekommen😉.

Kaum in Elcho Island angekommen tauchten auch schon etwa 30 trauernde Angehörige auf.  Plötzlich war der kleine Passagierterminal voll von weinenden und schluchzenden Angehörigen. Sie waren sehr dankbar, dass der Flug hier einen Zwischenstopp machen musste. Schnell entwickelte sich die Situation aber zu einem Chaos. Die Angehörigen von Elcho Island wollten auch von der toten Frau Abschied nehmen. Da Elcho Island aber wie grössere Flughäfen eine Land- und eine Luftseite hat, ist es nicht so einfach möglich, dass eine grössere Menge Leute auf dem Vorfeld herumlaufen darf. Dies den Angehörigen zu erklären war nicht einfach, die Aborigines sprechen viele Sprachen, Englisch kommt aber meist an dritter oder vierter Stelle. David konnte sich dann aber mit dem Airport Manager und den Angehörigen eingingen, dass alle kurz am Sarg vorbei gehen dürfen um Abschied zu nehmen.

Das Wetter verschlechterte sich zunehmend. David besprach verschiedene Möglichkeiten mit einem erfahrenen MAF Piloten der auch wegen dem Wetter auf Elcho Island landen musste.  Das Dispatch Team zu informieren und um Rat zu fragen war nur sehr bedingt möglich, da weiterhin nur das Satelliten-Tracking System zur Kommunikation zur Verfügung stand. Schlussendlich entschied sich David und der andere MAF Pilot, dass ein Weiterflug nicht möglich war. Also musste nun überlegt werden, was mit der verstorbenen Frau im Flugzeug gemacht werden konnte. David lief zu Fuss zur Klinik von Elcho Island (kein Telefon) um dort nachzufragen, ob sie in behilflich sein könnten. Die Mitarbeiter waren sehr hilfsbereit und boten an, die Frau über Nacht fachgerecht aufzubewahren. Sie erklärten David aber auch, dass in der Yolngu Kultur der Körper der Verstorbenen meistens bei der Familie bleibt. Er musste also mit der Familie klären wer die Verantwortung für die Leiche übernimmt und auch dass sie am nächsten Morgen rechtzeitig zurück zum Flughafen kommt.

Am nächsten Tag konnte der Transport dann erfolgreich zu Ende gebracht werden. Auch wurden im Verlauf des Morgens die Kommunikationsantennen repariert, worüber alle sehr froh waren 🙂