Liebe Blogleser und Blogleserinnen. Leider ist es schon viel zu lange her seit dem letzten Eintrag. Vieles ist passiert. Wir sind wieder ein paar Mal umgezogen. Wir wohnen nun schon seit knapp 4 Monaten in Ramingining. Ja, der Name ist schwierig auszusprechen. Ramingining ist ein Dorf, das vor allem von Yolngu Aboriniges bewohnt wird, darum der ungewöhnliche Name. Die Arbeit für David ist ähnlich wie an den anderen Orten. Zusammen mit einem anderen Schweizer Piloten betreibt er die MAF Basis hier. Es freut uns sehr eine Schweizer Familie so nah zu haben und zusammen Schweizer Deutsch zu reden. Sibylle arbeitet für die Arnhem Land Progress Aboriginal Corporation Sie leitet eine Arbeitsgruppe für Frauen die versucht Arbeitslose Frauen auf das Arbeitsleben vorzubereiten und ihnen hilft eine Arbeit zu finden. Ihr gefällt die Arbeit sehr. Durch die ihre Arbeit kennt sie viele Leute im Dorf, was uns sehr hilft Zugang zu den Yolngu zu bekommen.

Die Probleme in Ramingining sind leider auch ähnlich wie in den anderen Dörfern, in denen wir gewohnt haben. Alkohol, Drogen und häusliche Gewalt beschäftigt die Polizei oft. Leider passiert das alles vor allem im Verborgenen, was die Sache noch schlimmer macht. Wie wir oft schon geschrieben haben, hat sich der westliche Einfluss oft negativ auf das Leben der der sehr traditionellen Yolngu ausgewirkt. Die Probleme wieder loszuwerden ist beinahe unmöglich und wird Jahrzehnte dauern. Man kann wirklich fast nicht glauben, dass so eine Region in Australien existiert. Neben dem Flugdienst versucht die MAF darum auch mit der Platzierung von MAF Familien in den Dörfern die Yolngu zu unterstützen. Es ist sehr spannend für uns in die Beziehungen zu den Yolngu zu investieren. Sie sind eher zurückhalten und es braucht eine gewisse Zeit bis sie mit einem weissen Menschen über persönliche Dinge sprechen. Ihre Kultur ist so komplett anders als unsere, dass es viel Zeit und Energie braucht sie zu verstehen. Wir konnten aber schon viele interessante Erlebnisse mit den Einheimischen machen. Sie nehmen uns zum Jagen und Fischen mit und erklären uns Dinge über sich und die Natur. Sie haben uns in ihr Familien System adoptiert was es uns ermöglicht Teil ihrer Gesellschaft zu sein.

Wir erleben viele spannende, lustige und auch komische Sachen. Alles ist so anders hier als in der Schweiz. Am Schluss von diesem Blogeintrag haben wir einen kurzen Bericht über eine medizinische Evakuierung geschrieben. Sie zeigt auf, mit was für Herausforderungen David in seine Tätigkeit als Pilot tagtäglich konfrontiert ist.

Etwas anderes Spanendes haben wir euch auch noch zu erzählen. Wir werden im Januar eine Tochter bekommen! Wir freuen uns sehr darüber. Durch die medizinische Vergangenheit von Sibylle müssen wir jedoch in die Schweiz zurückkommen für die Geburt. Wir haben uns dadurch auch mit MAF zusammengesetzt und diskutiert wie es nach der Geburt weiter gehen soll. Unser Wunsch war schon immer, dass wir in Afrika für MAF arbeiten können. Zusammen mit MAF haben wir entschieden nach einer Zeit in der Schweiz für die Geburt in ein afrikanisches Projekt zu wechseln. Wir werden wahrscheinlich den grössten Teil vom 2019 in Nairobi in Kenia verbringen. Dort wird David auf die Cessna Caravan umgeschult und konvertiert seine Lizenz in eine Kenianische. Er wird dann eine Zeit für MAF in Kenia fliegen. Gegen Ende 2019, anfangs 2020 werden wir dann in das MAF Projekt im Südsudan wechseln. MAF baut die Basis dort kontinuierlich aus und braucht darum auch mehr Piloten. Durch die Medien wissen einige von euch sicher über den Zustand in diesem Land Bescheid. Gerade durch die prekäre Situation und die sich verbreitende Hungersnot ist MAF im Südsudan sehr gefragt. Eine Stärke von MAF ist es, sicher und effizient Hilfsgüter in Krisengebieten dieser Welt zu verteilen. Wir sind darum sicher, dass wir durch unsere Arbeit im Südsudan viel Gutes bewirken können und freuen uns sehr auf die kommende Zeit und die ganz neuen Herausforderungen.

Das wäre es für den Moment. Wir freuen uns sehr euch zu treffen, wenn wir im Dezember in die Schweiz kommen. Wir möchten allen für die Unterstützung danken, sei es finanziell und auch in der persönlichen Ermutigung. Wir sind immer dankbar für Spenden. Unser Lohn wird zu grossen Teilen von Spenden finanziert. Spenden an MAF zu unseren Gunsten werden nur für uns eingesetzt und können von den Steuern abgezogen werden.

PC Konto: 85-541047-1 Vermerk: David und Sibylle Graf

 

Liebe Grüsse Sibylle und David

 

Medizinische Evakuierung

Um 06:20 Uhr wachen Sibylle und ich auf, weil jemand an unsere Tür klopft. Sibylle öffnet die Tür. Draussen steht die Ärztin der örtlichen Klinik von Ramingining. Sie ist sehr ernst und fragt, ob David einen medizinischen Evakuierungsflug machen könnte. Ein Mann in einem abgelegenen Dorf hat in der Nacht einen Herzinfarkt erlitten und benötigt dringend medizinische Hilfe.

Die Ureinwohner Australiens sind sehr mit ihrem traditionellen Land verbunden und wohnen deshalb oft in ganz Arnhem Land verteilt in sehr abgelegen, kleinen Häuseransammlungen auch «Homelands» genannt mit nur etwa 20-30 Personen. Um die kleinen Dörfer besser versorgen zu können gehört zur fast jedem Homeland auch eine kleine Dreckpiste. Platz für Flugzeugpisten hat es in Australien genug. Diese werden meist von den Ureinwohnern selber gewartet. Ihre Möglichkeiten sind beschränkt. Die Pisten sind darum manchmal in einem schlechten Zustand und mit Büschen überwachsen. Der berühmte «Royal Flying Doctor Service» ist eigentlich für medizinische Evakuierungen zuständig und ist dafür auch gut ausgerüstet. Dieser kann aber auf den engen, kurzen und unbefestigten Pisten der traditionellen «Homelands» oft nicht landen. Der RFDS beschränkt sich vor allem auf grössere Orte mit besseren Pisten und natürlich auf die Orte mit befestigten Pisten. Die einzige Möglichkeit bei einem medizinischen Notfall in einem Homeland ist entweder mit dem Buschkrankenwagen von der nächsten Klinik dorthin zu fahren oder mit MAF zu fliegen. Die Autofahrt dauert aber oft viel länger und der Zustand der Strasse ist ungewiss.

Heute wäre eigentlich mein freier Tag, ich stehe aber schnell auf und bereite mich auf den Flug vor. Die Ärztin klopfte schon vorher beim Haus des anderen MAF Piloten, er kann aber aus medizinischen Gründen heute nicht fliegen. Da er nun aber sowieso wach ist, hilft er mir das Flugzeug vorzubereiten. Nur 45 Minuten später bin ich mit der Ärztin und einer Pflegefachfrau auf dem Weg nach Djamardi. Djamardi ist ein kleines Homeland am Meer westlich der Milingimbi Insel gelegen. Die Landebahn ist schmal und hat eine Kiesoberfläche. Die Autofahrt dorthin hätte etwa 2 Stunden gedauert, die Flugzeit beträgt jedoch nur 15 Minuten. Nachdem wir gelandet sind, eilen die Ärzte in ein wartendes Auto. Nach 10 Minuten kommen sie mit dem Patienten zurück. Er kann gehen, hat aber Mühe mit atmen und fühlt sich schwindlig. Die Ärztin und die Pflegefachfrau diskutieren, ob der Mann nach Nhulunbuy geflogen werden muss, um von dort ins regionale Spital transportiert zu werden oder nach Maningrida um von dort direkt mit dem RFDS nach Darwin geflogen werden sollte. Sie entscheiden sich dann aber ihn zur weiteren Untersuchung in die kleine Klinik von Ramingining zu bringen das sie sein Zustand als stabil beurteilen. Alle steigen ins Flugzeug und wir sind wieder schnell in der Luft. 15 Minuten später landen wir wieder in Ramingining, wo ein Auto der Klinik bereits wartet welches der Patient und das medizinische Personal in die Klinik bringt.

Ich räume das Flugzeug auf, fahre anschliessend ins Büro und telefoniere mit dem Spital Darwin welcher den Flug bezahlt. Um 0930 bin ich wieder zu Hause und kann den Rest meines freien Tages geniessen. Erlebnisse wie diese erinnern mich wieder daran wie wichtig der Flugdienst von MAF in dieser Region von Australien ist. Die dünne Besiedelung, die fehlende Infrastruktur machen die Flüge von MAF unverzichtbar. Es erfüllt mich mit Zufriedenheit zu wissen, dass ich heute einem Menschen helfen oder vielleicht sogar das Leben retten konnte.